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Mahmoud Zibawi, Koptische Kunst. Das christliche Ägypten von der Spätantike bis zur Gegenwart. Übers. aus dem Franz. von Karl Pichler. Regensburg (Verlag Schnell & Steiner) 2004

240 Seiten, 240 Farb- und 51 SW-Abbildungen, 30 x 24 cm, Leinen, gebunden, 79,- Euro

ISBN 3-7954-1562-4

 

Der Autor Mahmoud Zibawi, geboren 1962 in Beirut, lebt in Paris als Maler. Vor wenigen Jahren promovierte er an der Pariser Sorbonne über koptische Kunst. Seit 1995 erschienen zu diesem Thema zwei Bücher von ihm bzw. von Mitautoren. Sie wurden aus dem Französischen ins Englische, Italienische und Deutsche übersetzt: Die christliche Kunst des Orients, 1995, und Die Ikone, 2003;. Beide Bücher sind derzeit zu stark reduzierten Preisen zu haben.

Nun liegt das dritte Buch des Autors auf Deutsch vor. Mahmoud Zibawi verfolgt hier chronologisch die Entwicklung der koptischen Kunst seit der frühchristlichen Zeit, über das Mittelalter, die arabisch-koptische Epoche der Abbasiden und Mameluken bis in die Neuzeit. Der Leser findet kurze Abrisse über Architektur und Skulptur, wenig über Ikonen, umso mehr über die Wandmalerei, die auch am besten illustriert ist. Die berühmte koptische Textilkunst kommt merkwürdigerweise nicht zur Sprache. Die deutsche Ausgabe folgt genau der italienischen (Mailand 2003). Der Band ist in der Tat aufwändig illustriert, was das Wertvollste an ihm ist. Die schönen, vielfach ganzseitigen Farbabbildungen führen die Besonderheiten der koptischen Kunst vor Augen. Dem Text darf zwar das Informative nicht ganz abgesprochen werden, doch ist er manchmal zu leger, stellenweise schlecht geschrieben. Dabei erreicht er gerade einmal die Länge eines studentischen Referats und nicht einmal die informative Konsistenz eines populärwissenschaftlichen Reiseführers. So heißt es zu einem Fresko in Bawit: „Die Darstellung Christi ist entschieden mittelalterlich. Ein Kreuznimbus umgibt das Gesicht. Das Oval des Gesichts ist umrandet von den schwarzen Strähnen des Haares und des Bartes.g Zu oft sucht man vergebens nach Angaben zur Datierung der abgebildeten Werke. Ein Beispiel unter vielen: die offensichtlich aus verschiedenen Zeiten stammenden Wandmalereien im Kloster Abu-Sefen in Kairo (S. 164–175, Abb. 214–229) werden pauschal als „mittelalterlichg bezeichnet.

 

Die Beschaffung von gutem und seltenem Bildmaterial zur christlichen Kunst in Ägypten kann man sich sicher als sehr schwierig vorstellen, und es verwundert nicht, dass manche Autoren mit guten Bezugsquellen eine bessere Konjunktur als ausgewiesene Wissenschaftler haben. Freilich dürften schon die Verlagslektoren der Originalausgabe mit Inhalt und Stil des Textes überfordert gewesen sein, und eine Überarbeitung des Textes hätte den Buchpreis noch verteuert. Wie gesagt, der Hauptwert dieses Buchs liegt in der polygraphischen Ausstattung und den Farbabbildungen, die man in guter Auswahl vorfindet. Diese Publikation, füllt wie die beiden früheren Bildbände des Autors immerhin eine Nische aus.

 

Ivan Bentchev 2004