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Ivan Bentchev

 

Zu einer Restaurierungs-Signatur des altgläubigen Ikonenmalers Nikita Sevast´janovič Račejskij von 1872 // Ikonen. Restaurierung und naturwissenschaftliche Erforschung, hrsg. von Ivan Bentchev und Eva Haustein-Bartsch, München 1997, S. 115‑124, 188‑191.

 

(Rezension von George Galavaris, in: Byzantinische Zeitschrift 1 2000, S. 185)

 

 

In deutschem Privatbesitz befindet sich eine Ikone, die laut Inschrift in St. Petersburg im Jahre 1872 vom Ikonenmaler Nikita Sevast´janov(ič)[1] Račejskij restauriert worden ist. Die Ikone, Tempera auf Leinwand und Lindenholz, 71 x 58 x 3,5 cm im Kovčeg, stellt das Mandylion dar, das Nicht von Menschenhand gemalte Bild Christi, getragen in den oberen Ecken von zwei Engeln.[2]  (Abb. 1)

Obwohl anzunehmen ist, daß die nächsten ikonographischen Paralellen dieser Ikone in der russischen Ikonenmalerei zahlreich auftreten, stellt sich bei näherer Untersuchung heraus, daß sich nur wenige Ikonen direkt heranziehen lassen: zunächst die Novgoroder Tabletka Nr. 25 (auf der Rückseite = O tebe raduetsja), die Viktor Lazarev um 1500, in die Zeit des Novgoroder Erzbischofs Gennadij (1484-1504), datiert hat.[3] Das zweite Beispiel ist eine Mandylion-Ikone des 16. Jahrhunderts im Oklad des 17. Jahrhunderts, die ich nur von einem Foto des Russischen Museums in St. Petersburg kenne und die stilistische und ikonographische Ähnlichkeiten  zur Wandmalerei in der Kathedrale Roždestvo Bogorodicy des Klosters von Ferapontovo 1502-1503 aufweist.[4] Freilich fehlen bei den zwei genannten Ikonen die beiden Engel in den oberen Ecken, jedoch sind Gesamtkomposition und Zeichnung des Tuches, einschließlich seiner braunen Borten, unserer Ikone sehr ähnlich. Im Inkarnat lassen sich Ähnlichkeiten in der Form der Mundpartien, in der Betonung der beleuchteten linken Nasenhälfte und insbesondere in der auffallend mittig geteilten Stirn[5] aufzeigen. Als dritte dieser Ikonographie nahestehende Ikone kann die

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doppelseitige Prozessionsikone aus der Pokrov-Kirche in Borovsk, 1. Hälfte/Mitte 16. Jh. genannt werden, heute im Historischen Museum Moskau, die einem provinziellen Maler zuzuschreiben wäre.[6] Vermerken möchte ich, daß auf unserem Mandylion die Bartspitze des Erlösers ursprünglich geteilt dargestellt gewesen ist, wie bei den aufgeführten Parallelen. Ihre jetzige Form ist eine Zutat des Restaurators Račejskij.

 Unsere Mandylionikone scheint von einem bedeutenden Ikonenmaler im 2. Viertel des 16. Jahrhunderts gemalt worden zu sein, worauf sowohl die ikonographischen Vorbilder der späten Novgoroder, Pskover und der ausgeprägten Moskauer Schulen hinweisen, als auch der Malstil der Inkarnate, gehalten in einem warmen, rötlich-bräunlichen Kolorit auf grünlicher Untermalung, typisch für die Koloristik der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Besonders anmutig und schön proportioniert gemalt sind die beiden Engel. Der Maler benutzt für ihre farbig akzentuierten Gewänder kostbare Pigmente wie Lapis Lazuli (echtes Ultramarin), Malachit und Zinnober. Mit Blattgold gestaltet sind die geschabten Chrysographien der Engelflügel.[7]

Die Ikone zeigt Spuren von vier Restaurierungen: zwei vor 1872 (geringe Ausbesserungen der Grundierung meist im Nimbus), eine von 1872 und eine letzte vor 1980. Über die dritte, sehr bedeutende Restaurierung informiert uns eine achtzeilige, in weißen Minuskeln gesetzte Signatur des Restaurators auf der Rückseite der Ikonentafel. Auf dem 8,7 cm im Durchmesser großen, rund mit dem Zirkel vorgezeichneten und grün bemalten Medaillon ist in gewollt archaisierendem Russisch-Kirchenslavisch zu lesen:

Âú Ñ.-Ïeòåðáqðãh.

zòïà. ãwäà.

ìñöà äåêàáð³à ä. äí#.

èñïðàâë³àëú ñ³þ èêîíu.

àçú ìíîãîãðåøûè Íèêèòà.

ñûíú Ñåâàñò³àíà Ðóчåé

ñêàãw, Ñàìàðñêîé

ãoóáåðí³è.

(= In St. Petersburg, im Jahre 7381 (= 1872) am  4. Dezember, habe ich, der große Sünder Nikita, Sohn von Sevastijan Ručejskij aus dem Gouvernement Samara diese Ikone ausgebessert).

Wüßte man nichts über die Person dieses Mannes, würde man einen belesenen und - bei aller geäußerten Demut - selbstbewußten Altgläubigen vermuten. Und tatsächlich: vor uns liegt die einzige Signatur des Ikonenmalers und Restaurators Nikita Sevast'janov Račejskij, über den der berühmte russische Schriftsteller Nikolaj Leskov (1831-1895) und sein Sohn Andrej Leskov geschrieben haben.[8] In dem nicht ins Deutsche übersetzte Artikel "O chudožnom muže Nikite i o sovospitannych emu", der im

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Dezember 1886 erschien, schreibt Nikolaj Leskov: "Ende vorigen Monats 1886, in einem kleinen Dorf (chutor) im Gouvernement Samara starb der Bauer Nikita Sevast'janov Račejskov. Er lebte lange Zeit in Petersburg und war hier bekannt als vorzüglicher Meister in einer Kunstgattung, die von Tag zu Tag ihre Liebhaber verliert und, sozusagen, ganz "abstirbt". Nikita Račejskov war "Izograph", d.h. Ikonenmaler im altrussischen Stil. Wie der große Meister Silačev, der auch gestorben ist, galt Nikita Račejskov zurecht als einer der allerbesten Meister in der Ikonenkunst. Besonders begabt war er in der Miniaturmalerei, die er mit seinen riesigen und scheinbar groben Händen wunderbar zart und fein, wie ein Chinese, fertigte. In dieser Art sah und kannte ich keinen ihm ebenbürtigen Meister in Rußland. Nikita kannten die Kaufleute, in deren Kreisen "der alte Gottessegen" geschätzt wird; ihn kannte Fürst P.P. Vjazemskij und andere Amateure und Kenner der alten Isographie von der Gesellschaft der Liebhaber des alten Schrifttums (OLDP), und man kannte ihn sogar in den hohen weltlichen Kreisen. Nach Erscheinen meiner Weihnachtserzählung "Der versiegelte Engel", die gänzlich in der heißen und stickigen Werkstatt Nikitas verfasst wurde, hatte er viele Aufträge für den "Engel" von hochgestellten Persönlichkeiten und dem Hof - vornehmlich von Damen. Nikita arbeitete auch für die Großfürsten. In den großen Häusern wurde er eingeführt mit den Worten "Der kunstfertige Muschik ist da."[9]

Amüsiert erzählte Leskov noch spatter, wie der Erfolg seiner Novelle zum Ruhm des Ikonenmalers Nikita Račejskij und zur Popularisierung der russischen Ikonenmalerei überhaupt beigetragen hat.[10] "

Die berühmteste Erzählung Leskovs wurde also in den letzten Monaten des Jahres 1872 geschrieben[11], während Nikita Račejskij mit der Restaurierung unserer Mandylion-Ikone beschäftigt gewesen ist, die er laut Signatur am 4. Dezember 1872 abgeschlossen hat. Leskov muß demnach eben diese Ikonenrestaurierung mitverfolgt haben. Und tatsächlich lassen sich weitere, wenn auch indirekte Hinweise darauf ausfindig machen. Russische Literaturwissenschaftler haben schon längst darauf hingewiesen, daß die Bekanntschaft, ja Freundschaft, zwischen Leskov und Račejskij den Schriftsteller sehr beeinflußt haben. Vom Ikonenmaler bekam Leskov nicht nur einen tiefen Einblick ins altgläubige Milieu, sondern auch theoretischen Unterricht in Ikonenmalerei- und Restaurierung. Vielleicht hat unsere Ikone ihm selbst gehört, denn wir wissen, daß Leskovs schöne Ikonensammlung, darunter mindestens

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eine Ikone von der Hand Nikita Račejskijs,[12] nach seinem Tod in die Sammlungen Lichačevs[13] und Kondakovs übergegangen ist. Diese wiederum gelangten in sowjetischer Zeit in die Sammlungen der Leningrader Museen - der Ermitage und des Russischen Museums.

An der Person Nikita Račejskijs wird klar, wer sich in Rußland mit Ikonenrestaurierung beschäftigte, denn er ist Altgläubiger und von Beruf Ikonenmaler. Aus demselben Artikel Leskovs wissen wir, daß der kranke Nikita Račejskij, im Spätherbst des Jahres 1886, zu seinem greisen Vater ins entfernte Gouvernement Samara fährt, wo er bald stirbt. In seiner Petersburger Werkstatt im Čubarovskij pereulok hinterläßt er neben Auftragsikonen auch viele kostbare Ikonen fremder Leute, die er zur Restaurierung angenommen hat, ohne irgendwelche schriftlichen Belege. Seine altgläubige Vermieterin erhält von ihm den knappen Auftrag, "das fremde Gut den Leuten zurückzugeben, die danach fragen, im Vertrauen auf ihr schamhaftes Gewissen". Rührend beschreibt Leskov, wie korrekt sich Nikitas kunterbunte Kundschaft, vom Aristokraten bis zum kleinen Krämerladenbesitzer, verhalten hat. Leskov selbst holt seine drei Ikonen ab und eine Ikone des Grafen Stromberg, seines Nachbarns.

Erst seit 1872, d.h. seit der Begegnung mit Račejskij, widmet Leskov dem Thema der Ikonenmalerei seine Aufmerksamkeit. Es entsteht eine Reihe von Erzählungen und Artikeln,[14] die ihn als Kenner auf diesem Gebiet ausweist und enorm viel zur Popularisierung der Ikonenmalerei in breiten Schichten der russischen Bevölkerung beigetragen hat. Leskov ist wohl der erste russische Ikonenforscher, der über ikonographische Fragen hinaus auch stilistischen Fragen nachgegangen ist. Vor allem interessierte ihn die zeitgenössische Ikonenmalerei, wobei seine Vorlieben stark durch das altgläubige Mileau und Nikita Račejskij selbst beinflußt wurden. Die Leskovschen Arbeiten sind heute noch eine Fundgrube für Ikonenforscher, die sich mit dem 19. Jahrhundert beschäftigen, zumal man über diese Zeit erstaunlich wenig weiß.

Nikita Račejskij gilt unter Leskov-Experten als literarischer Prototyp für die Gestalt des Ikonenmalers Sevastjan in der Novelle "Der versiegelte Engel". Dort ist folgende Beschreibung der Hauptfigur, eines altgläubigen Ikonenmalers und Restaurators, gegeben: "So gut malen kann nur der Meister Sevast'jan von der Niedervolga, aber er ist ein leidenschaftlicher Reisender: er durchwandert ganz Rußland und bessert den Altgläubigen ihre Ikonen aus..."[15] Auch Nikita Račejskij ist in seiner Jugend ein mobiler Mann gewesen: im Gouvernement Samara am Unterlauf der Wolga geboren[16], erhielt er seine Ausbildung

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wohl in Moskau, bei einem Altgläubigen. Jedenfalls arbeitete er um 1850 in Moskau[17], bevor er sich in St. Petersburg niederließ. Aus der Signatur auf unserer Mandylion-Ikone wissen wir jetzt mit Sicherheit, wie sein Vater mit Vornamen geheißen hat - Sevast'jan, wie der Ikonenmaler in der Erzählung. Nikita ist Altgläubiger, aus den Kreisen der extrem konsequenten, dem Zölibat verpflichteten "Priesterlosen". "Er betete zusammen mit den Fedoseevcy (am Volkovo) und mit den Filippovcy (in der Bolotovo-Straße), aber er stritt nie über Glaubensfragen, und wenn man sich über ihn lustig machte, antwortete er mit seinem üblichen gütigen Lächeln, daß er mit allem einverstanden sei: "Mein Glaube ist mit meinem schamhaften Gewissen einverstanden, die anderen tadele ich nicht, selber fürchte ich auch keinen Tadel."[18] Ein priesterloser Altgläubiger ist ja auch der Maler Sevastjan in der Leskovschen Novelle. Die Novelle "Der versiegelte Engel" war sofort ein Riesenerfolg gewesen (sie ist es auch heute noch), und Leskov berichtet in einem Brief: "Sie (die Novelle) wurde vom Zaren Alexander II. und der Zarin gelobt, die den Generaladjutanten schickte, mir ihre Dankbarkeit zu übermitteln... Die Petersburger Prominenz stürzte sich Hals über Kopf auf N. S. Račejskij, um Ikonen mit Darstellungen des "Engels" zu bestellen".[19] Im übrigen war "Der versiegelte Engel" dem großen russischen Philologen und Kunsthistoriker Fedor Ivanovič Buslaev (1818-1897) gewidmet, den Leskov über die Redaktion der Zeitschrift "Russkaja reč'" kennenlernte und dem er wiederholt begegnete. Auch Buslaev, dem wir wichtige Arbeiten über die Ikonenmalerei verdanken, kannte sich in den Kreisen der Altgläubigen gut aus. Leskov selbst kam mit ihnen Anfang der 60er Jahre in Berührung, als er im Auftrag des Bildungsministeriums deren Schulen beaufsichtigte.[20]

Die Leskovsche Novelle ist sehr vielschichtig, aber ein wichtiges Thema ist die Ikonenmalerei und die Entstehung einer Ikonenfälschung, die mit aller Sachkenntnis beschrieben wird. Worum geht es in der Novelle? Der berühmte Ikonenmaler Sevast'jan wird von priesterlosen, altgläubigen Bauarbeitern beauftragt, eine alte Ikone zu restaurieren und von ihr eine täuschend ähnliche Replik, eine Fälschung, herzustellen. Denn ihre alte, am meisten verehrte Ikone des Schutzengels ist von der Obrigkeit mit rotem Siegellack mitten im Gesicht gebrandmarkt und beschlagnahmt worden. (Im übrigen wird explizite eine Ikone des "Erlösers mit dem nassen Bart" erwähnt, die zu den insgesamt 150 beschlagnahmten Ikonen gehört.) Die Altgläubigen stehlen unter schwierigsten Bedingungen die Ikone des Schutzengels und bringen sie dem Maler Sevast'jan, den sie nur für diesen Zweck, nach langer Suche, von weit her geholt haben. Der darauffolgende Text liest sich wie eine präzise Anleitung in Restaurierungs- und Fälscherkunst des 19. Jahrhunderts: Sevast'jan entfernt in einer schnellen Aktion das rote Siegel vom wunderschönen Gesicht des Engels. Dann macht er das, was russische Ikonenrestauratoren "vstavka" nennen. Er zersägt die alte Ikone vorsichtig und überträgt die abgenommene, dünne Schicht, bestehend aus Malerei, Grundierung und Holz auf eine neue Tafel. Damit haben die Altgläubigen ihre Schutzengelikone wieder. Daß die Holztafel neu ist, ist anscheinend ohne Bedeutung. Auf die alte Malerei kommt es an. Danach macht Sevastjan

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eine Fälschung, die für die alte Ikone herhalten soll. Eine vorgefertigte Kopie des Engels auf Leinwand bekommt durch Knicken "alte" Risse und wird auf die verbliebene alte Holztafel geleimt. Die neue Malerei wird künstlich patiniert, sogar das rote Siegel angebracht. Bezeichnenderweise weigert sich Sevast'jan das Siegel anzubringen, obwohl es sich um seine eigene und keine alte Malerei handelt. Das tut dann eine Engländerin, der er zuvor eine kleine Vierfelderikone mit vier Geburtsszenen in feinster Miniaturmalerei gemalt hat. Die Ikone bekommt ihren alten Oklad. Die Fälschung ist perfekt.

 

Es ist wohl kein Zufall, daß wir restaurierungstechnische Vorgänge dieser Art auch auf unserer Mandylion-Ikone nachweisen können. Nikita Račejskij hat Leskov nicht nur erklärt, er hat ihm auch praktisch zeigen können, wie man eine Übertragung auf eine neue Tafel macht. Denn wie geht der Restaurator Račejskij 1872 mit unserer Ikone um? Die alte, sehr von Anobium angegriffene Tafel hat er zersägt und die 1,5 cm starke Schicht aus Malerei, Grundierung und Holz auf eine neue, 2 cm dicke, rückseitig handgehobelte Lindenholztafel übertragen, d.h. aufgeleimt. Im Bestreben, die selten große Lindenholzbohle nicht auseinanderzuschneiden und in einem Stück zu belassen, hat er sie quer aufgeleimt, d.h. die Maserung verläuft waagerecht. Dadurch hat sich aber im Laufe der Zeit die ganze Ikone unnatürlich von oben nach unten verbogen, während alle konvexen Ikonen stets eine Verbiegung von links nach rechts aufweisen. Es ist sehr bemerkenswert, daß alle Tafelkanten mittig an den Schnittstellen zwischen altem und neuen Holz in regelmäßigen Abständen von ca. 15 cm mit rotem Siegellack markiert sind. Restauratorisch-technische Gründe hat diese Versiegelung nicht, und man fragt sich: ist dies eine spielerische Reminiszenz an das Siegel in der Leskovschen Erzählung, oder spielt Leskov auf eine Angewohnheit Račejskijs zu versiegeln an.

Die originale Malerei des 16. Jahrhunderts hat Nikita Račejskij wohl von zwei Übermalungsschichten freigelegt, wahrscheinlich nach der sogenannten "trockenen Methode"[21], mit einem Messer. Bemerkenswert ist sein Verhältnis zur schadhaften Originalmalerei und wie er seine malerischen Ergänzungen gestaltet. Ganz im Stil der Ikonenrestaurierungen des 19. Jahrhunderts ist er bestrebt, fehlende Malerei zu rekonstruieren und überhaupt alle schadhaften Stellen zu kaschieren, zumal diese glücklicherweise in unwichtigeren Randbereichen auftreten. Man muß ihm dabei zugute halten, daß er die originale Malerei gut studiert hat und wenig erfindet. Einige kleinere Fehlstellen hat er retuschiert. Ganz aus seiner Hand stammt der neugrundierte Kovčegrahmen und die Reparatur der Fehlstelle zwischen den unteren Haarpartien und der Bartspitze. Diese Fehlstelle geht wohl nicht auf Kerzeneinwirkung, sondern auf die hier ehemals eingelassene Holzstange zurück. Es besteht aber noch die Möglichkeit, daß unsere Ikone ursprünglich eine tragbare, vor und rückseitig bemalte Prozessionsikone gewesen ist. Es stellt sich also spätestens jetzt die Frage, ob Nikita Račejskij, oder einer seiner Vorgänger, aus einer doppelseitigen Ikone nicht zwei Ikonen durch Zerschneiden der Tafel gemacht haben. Jedenfalls sind die Bartspitze des Erlösers, einige der roten Streumuster auf dem Tuch, der rote kirchenslavischeTitulus unterhalb des Bartes ÍÅÐUÊÎÒÂÎÐÅÍÛè ÎÁÐÀç ÃÄÀ ÍØåãw ²ÑÀ ÕÐñ und die pudergoldenen Chrysographien auf den Engelflügel von Ručejskijs Hand. Nur leicht lasierend hat er das rote Christusmonogramm  ²Ñ ÕÑ und das rote Gewand des rechten Engels übermalt. Zu diesem Restaurierungskonzept, das ganz auf eine Wiederherstellung

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des ursprünglichen Zustandes der Ikone hinauslief, gehörte die 1872 gänzlich rekonstruierte Vergoldung auf Nimben, Hintergründen und Kovčegrahmen (Blattgold auf bräunlicher Untermalung). Račejskijs Vergoldung ist der letzten "Restaurierung" unserer Ikone, irgendwann vor 1980, zum Opfer gefallen. Ein unbekannter Stümperer hat sie bis zur Kreidegrundierung weggeschabt. Von dieser "letzten" Hand stammen z. B. die nachgezogenen roten Nimbenkreise und einige Übermalungen auf den Streumustern des Tuches.

Die Restaurierungsmethode Nikita Račejskijs entspricht also ganz den ästhetischen Auffassungen seiner Zeit. Seine Ergänzungen sind auch ein Dokument der Epoche, zumal sie von so einer bedeutenden Hand stammen. Es wäre in diesem Fall falsch, die Ergänzungen von 1872 entfernen zu wollen, im Sinne einer puristischen, nur auf Originalsubstanz ausgerichteten Freilegung, zumal die Maßnahmen von 1872 kaum die Originalmalerei, im Sinne einer Übermalung, tangieren. Das ist eine auch heute noch gültige Auffassung, die bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von russischen Kunstkennern gefordert wurde. Wie weit der vorgebildete Ikonenbesitzer und Auftraggeber der Restaurierung damals, sei er Leskov gewesen oder nicht, die Restaurierungsmethode bestimmt hat, wissen wir nicht. Mit Sicherheit hat aber Nikita Račejskij den anderen in St. Petersburg bekannten, altgläubigen Ikonenmaler und Restaurator Makar Samsonovič Pešechonov gekannt. Dieser bekam großen Ärger, nachdem er 1850 mit seinen altgläubigen  Mitarbeitern  ein  Drittel der mittelalterlichen Fresken in der Kiever Sophienkathedrale vollständig mit Ölfarbe übermalt hat. Leskov hat jedenfalls 1872, während der Arbeit an seiner Erzählung, auch Pešechonov und seine Palecher Mitarbeiter besucht und mit ihnen Gespräche über die russische Ikonenmalerei geführt.[22] Mit seiner Novelle "Der versiegelte Engel" eröffnete Leskov eine Reihe von etwa 10 Arbeiten, die der russischen Ikonenmalerei gewidmet wurden. 13 Im September desselben Jahres 1873 erschien sein Artikel "Über die russiche Ikonenmalerei" in der Zeitschrift "Russkij mir".[23] Leskov erwähnt dort zum ersten Mal "den meisterhaften Ikonenmaler vom Unterlauf der Wolga Nikita Savvatiev" unter den wenigen Ikonenmalern, die fähig wären, die alte Tradition der russischen Ikonenmalerei weiterzuführen. 1883, in einem anderen Ikonenartikel[24], berichtet Leskov erneut über Nikita Račejskij als außergewöhnlich guten Miniaturisten und läßt durchblicken, daß er in Palech oder Mstera ausgebildet worden sei. Leskov erzählt über die unglaubliche Präzision, mit der die feinsten, winzig kleinen "Blicke" (russisch: glazki) von manchen Ikonenmalern gesetzt werden: "Man macht dies mit einem Pinsel aus drei Haaren, und dem Erlernen dient eine eingesalzene Rute. Der beste der Mochikaner dieser Kunst, der Izograf Nikita Račejskij, erzählte mir einmal, wie man dies bei ihnen erlernte mit folgenden

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Worten: "Der Meister sitzt, und um ihn herum die Schüler, und zu Füßen des Meisters steht ein Trog, und in ihm ist Salzwasser, und im Salzwasser liegen eingelegte Ruten. Und der Meister achtet darauf, wie der Schüler dem Heiligen die Blicke setzt, und wenn er ein Bißchen falsch berührt und schief setzt, kriegt er Meisters Rute auf seinem Rücken zu spüren. Der Meister wischt den schiefen Blick mit der Hand weg und du macht's wieder, bis du's richtig machst. Es kam vor, sagt er, da kriegte einer von uns für einen Blick so an die zwanzig und mehr Ruten, dann lernst du es." Leskov berichtet[25] über zwei außergewöhnliche Ikonen, die Nikita Račejskij gemalt hat: eine "wunderbare Miniaturikone" eines Engels im Besitz des General-Adjutanten S.E. Kušelev und seine beste Arbeit, eine Gottesmutter Tichvinskaja, die Baron Anatol Stromberg der russischen Kathedrale in Reval gestiftet hat: "...in künstlerischer Hinsicht gibt es dieser Ikone nichts ebenbürtiges, weder in der Reinheit des Stroganover Stils noch in der wunderbaren Feinheit der Malerei".

Dem Ikonenmaler Nikita Sevast'janovič Račejskij können wir heute mit Sicherheit nur eine publizierte Ikone zuschrieben. Diese befindet sich im Russischen Museum in St. Petersburg und stellt in feinster Miniaturenmalerei, unter Verwendung von reichen Chrysographien und Blattgold die Königstür der Ikonostase der Dreifaltigkeitskirche in Sergiev posad dar.[26] Diese Themenwahl ist für den altgläubigen Ikonenmaler Račejskij signifikant: die priesterlosen Altgläubigen, Bezpopovcy, konnten ihren Gottesdienst nicht ohne Ikonen abhalten. In der Novelle "Der versiegelte Engel" wird genau beschrieben, wie die Altgläubigen und Priesterlosen ihre Ikonen in drei Reihen an der Wand aufhingen, eine Ikonostase nachahmend. Diese hatte natürlich keine Königstür, dahinter war auch kein Altar, da kein Priester da war, um ihn zu weihen. Die besondere Beziehung der priesterlosen Altgläubigen zu den Ikonen erklärt sich somit aus ihrem besonderen Ritus, der den Ikonen eine Ersatzfunktion für Priester, Altar und sonstige fehlenden Sakramente zuwies. Zurecht werden daher die faltbaren Ikonostasen­-Polyptychen dem altgläubigen Milieu zugerechnet. Dies gilt auch für die Königstür-Ikone im Russischen Museum. Sie ist leider nicht signiert. Auf der Rückseite der Tafel befindet sich jedoch eine Inschrift (wahrscheinlich von der Hand N. P. Kondakovs) in Blei: "Pis'ma Nikity Sevost'janova, okolo 1850 g. v Moskve. Iz sobranija N. S. Leskova, kuplena 200 r. Kuplena ot Kazakova S. Pb. 80 rub. 1901." (= Gemalt von Nikita Sevost'janov, um 1850 in Moskau. Aus der Sammlung N.S. Leskovs.  Gekauft für 200 Rubel. Gekauft von Kazakov (in St. Petersburg für 80 Rubel 1901). Die Ikone wurde 1988 auf der Ausstellung zur 1000-Jahrfeier in Leningrad, zuvor auf der Ikonenausstellung in Mailand[27], gezeigt. In der Tat ist sie ein Beispiel vollendeter Miniaturenmalerei in höchster Perfektion und gehört stilistisch zu einer Hauptrichtung der späten russischen Ikonenmalerei, die von den Miniaturenmalern der Stroganov-Schule initiiert, in den herausragendsten Meistern in Palech ihre letzte, routinierte Phase gefunden hat. Die miniaturhafte, perfektionistische Malweise der

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Stroganov-Ikonenmaler, die "stroganovskie pis'ma", schreibt Leskov[28], wurde am meisten von den Altgläubigen geschätzt und gesammelt. Es waren auch altgläubige Ikonenmaler, wie Nikita Sevastjanovič Račejskij, die in Rußland im 19. Jahrhundert die Zeiten fortschrittlicher Restaurierungen eingeläutet haben. Das Original galt von nun an als heilig.

 

 

NACHTRAG

 

Die Ikonenartikel Leskovs wurden zuerst von A.L. Volynskij geordnet: N.S. Leskov, S.- Peterburg 1923; Zuletzt eine Liste der Leskovschen  Ikonenartikel bei Vzdornov, op. cit., S. 342, Anm. 191 und bei Angela Martini­  Wonde, N.S. Leskows Entdeckung der Ikone, in: Die geistlichen Grundlagen der Ikone, hrsg. von Wolfgang Kasak (Arbeiten und Texte zur Slavistik, 45) München 1989, S. 141-152, insbes. S. 148f. Anm. 3.

Demnach lassen sich folgende Arbeiten Leskovs zum Thema der Ikonenmalerei anführen: Zapečatlennyj angel (zuerst erschienen in: Russkij vestnik 1 (janvar') 1873, 1; Sobrannye sočinenija v 11 t., t. 4, Moskva 1957); Adopisnye ikony, in: Russkij mir 1873, Nr. 192, 24. Juli; O russkoj ikonopisi, in: Russkij mir, Nr. 254, 26. September 1873; Ob adopisnych ikonach, in: Russkij mir 1878, Nr. 192; Meloči archierejskoj žizni (1879), in: Sobr. soč. v 11 t., t.6, Moskva 1957, S. 398-538; Sled nogi Bogorodicy v Počaeve. Zametki po povodu stat'i kn. N.S. Golicina, in: Gazeta A. Gatcuka 1882, t. 10, Nr. 10 S. 227-236; Zametka po chlamovedeniju, in: Novoe vremja 1882, Nr. 284, 26. Oktober; Blagorazumnyj razbojnik. Ikonopisnaja fantazija, in: Chudožestvennyj žurnal 1883, Bd. 5, S. 191-198; Christos-mladenec i blagorazumnyj razbojnik. Spravka po istorii russkogo ikonopisanij, in: Gazeta A. Gatcuka 1884, t. 10, Nr. 18, S. 304-306; Rastočiteli russkogo iskusstva, in: Novosti i Birževaja gazeta 1884, Nr. 305, 4. November; Diva ne budet. Ob ikonopisnom sobranii A. M. Postnikova, in: Peterburgskaja gazeta 1884. Nr. 305, 5. November; Ob obrazke zagublennogo rebenka, in: Peterburgskaja gazeta 1885, Nr. 57, 38. Februar; Obrazok-obličitel', in: Peterburgskaja gazeta 1885, Nr. 255, 17. September; O chudožnom muže Nikite i sovospitannych emu, in: Novoe vremja, Nr. 3889, 25. Dezember 1886; Sošestvie vo ad, in: Peterburgskaja gazeta 1894, Nr. 104, 16. April/ Sobr. soč., M. 1989 (Priloženie k žurnalu Ogonek, Bd. 12.

Die wichtigste Sekundärliteratur hierzu: Anninskij, L., Leskovskoe ožerel'e, Moskva 1982; Evdokimova,O.V., Princip "živopisnosti" v strukture proizvedenij N. S. Leskova /"Povest Zapečatlennyj angel"/, in: Voprosy chudožestvennoj struktury proizvedenij russkoj klassiki, Vladimir 1983, S. 37-44; Evdokimova, O. V.: N. S. Leskov i F. I. Buslaev, in: Žurnal Russkaja literatura 1990, S. 194 ff.; Gorelov, Aleksandr Aleksandovič, O vizantijskich" legendach Leskova, in: Russskaja literatura, Leningrad 1983, 1, S. 119-133; ders., Patriotičeskaja legenda N.S. Leskova. Poetika "preobrazovanij" i stilizacii v povesti "Zapečatlennyj angel", in: Russkaja literatura, Leningrad 1986, 4, S. 153-165; Grossman, L., N. S. Leskov, Moskau 1945; Leskov, Andrej, Žizn' Nikolaja Leskova po ego ličnym, semejnym i nesemejnym zapisjam i pamjatam, 2 Bde., Moskva 1954; N. S. Leskov o literature i iskusstve, Leningrad 1984, bes. S. 187-200; Martini-Wonde, Angela, N.S. Leskows Entdeckung der Ikone, in: Die geistlichen Grundlagen der Ikone, hrsg. von Wolfgang Kasak (Arbeiten und Texte zur Slavistik, 45) München 1989, S. 141-152, insbes. S. 148f. Anm. 3;

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Mclean, Hugh, Nikolaj Leskov. The Man and his Art, Cambridge, Massachusetts 1977; Muller de Moroques, I., L'Oeuvre journalistique et littéraire de N. S. Leskov. Bibliographi (Slavica Helvetica 23), Bern-Frankfurt a. M. 1984; Setschkareff, V., N.S. Leskov. Sein Leben und sein Werk, Wiesbaden 1959; Šljapkin, I. A., K biografii N.S. Leskova, in: Russkaja starina 1895, Dekabr', S. 208­211; Vgl. noch insbesondere die Anmerkungen in: N.S. Leskov, Sobrannye sočinenija v 11 t., t.4, Anm. S. 541- 551 (zu "Der versiegelte Engel"), dito, t.10, Moskva 1958, S. 179- 187, Anm. S. 512- 514.

 



   [1] Zu Lebzeiten des Malers, im 19. Jahrhundert, wurden die Vatersnamen von einfachen Leuten noch mit dem Suffix "ov", also in diesem Falle "Sevast'anov", gesprochen und geschrieben. Das vornehme "ovič" war für bestimmte Gesellschaftsschichten noch ungewohnt. Im alten Russland hatten nur die Bojaren das Recht, ihren vollen Namen, d.h. den Vatersnamen mit „vič“ zu gebrauchen. Große Magnaten wie die Stroganovs haben dieses Recht erst um 1610 bekommen. Siehe „Russkij bibliografičeskij slovar’”, Bd. “Smelovskij-Suvorina”, St. Petersburg 1806, S. 512.

   [2] Die Ikone ist mit wenigen Angaben abgebildet bei: Gerhard Arndt, Ikonen aus privaten Sammlungen, Köln 1986, S. 65, Farbabb. ; Norbert Kuchinke, Rußland unterm Kreuz, Bergisch-Gladbach 1987, S. 130 Abb.; Auktionshaus Heissler, Bobenheim am Berg, Prospekt zur Auktion am 26./27.11.1982, Abb. 1. Zur Mandylion -Ikone allgemein zuletzt: Daniel Spanke, Überlegungen zum Bildkonzept Ikone am Beispiel des Mandylion (Magisterarbeit bei Prof. Werner, Justus Liebig Universität), Gießen 1992.

   [3] V. N. Lazarev, Dvustoronnye tabletki iz sobora Sv. Sofii v Novgorode, Moskva 1983, Abb. 25 und S. 44: " rubež 15./ 16. vv."

   [4] Siehe auch die Kopie von N.V.Gusevs (1972) im Rublev-Museum, Moskau.

   [5] Die besondere Stirnform läßt sich auf die berühmte Mandylion-Ikone in der Entschlafen-Kathedrale des Moskauer Kremls, Ende 14./ Anf 15. Jh. zurückführen. Vgl. Tatjana Tolstaja, Uspenskij sobor Moskovskogo Kremlja, Moskva 1979, Abb. 82.

   [6] Irina Kyslassova, Russische Ikonen de 14. bis 16. Jahrhunderts. Historisches Museum, Moskau, Leningrad/Düsseldorf 1988, 78-80 (Abb.).

   [7] Chemische Analyse von Dr. Elisabeth Jägers, Bornheim, vom 24.11.1984.

   [8] Sie benutzen die Namenvarianten "Nikita Savvatjev (Sevast´janov, Savost´janovič, Saverjanovič ) Račejskij (Račejskov). Andrej Leskov, Žizn' Nikolaja Leskova po ego ličnym, semejnym i nesemejnym zapisjam i pamjatam, 2 Bde., Moskau 1954, S. 288-290, 554.

   [9]N. Leskov, O chudožnom muže Nikite i sovospitannych emu, In:  Novoe vremja, Nr. 3889, 25. Dezember 1886. Einziger Nachdruck in: N.S. Leskov o literature i iskusstve, Leningrad 1984, S. 205-215, Anm. S. 279f. Das Zitat aus letzterem Nachdruck, S. 205f. in meiner Übersetzung.

[10] " ego ... chvalil car' Aleksnder II. i carica,  prisilavšaja general-ad'jutanta vyrazit' mne ee  blagodarnost' ...znat' na pereboj brosilas' k. N. S.  Račejskamu zakazyvat' ikony s izobraeniem "angela"  (Siehe G.I.Vzdornov, Istorija otkritija i izučenija russkoj srednevekovoj živopisi. XIX vek, Moskau 1986, S. 204 und Anm. 188.

 

   [11]Erschienen ist die Novelle "Der versiegelte Engel" gleich im Januarband des daraufvolgenden Jahr es 1873, in der Zeitschrift "Russkij vestnik", Bd. CIII, Nr.1, S. 229-292 Über die Novelle "Der versiegelte Engel" und ihre Rezeption siehe: Leskov, N.S., Sobranie sočinenij v 11-ti tomov, Bd. 4, Moskau 1957, Anmerkungen der Redaktion S. 541-545; ebenda, Bd. 11: Brief Leskovs an S. N. Šubinskij vom 3.10.1887; Šljapkin, I. A.: K biografii N.S. Leskova, In: Russkaja starina 1895, Dekabr', S. 208­ 211; V. Setschkareff, N.S. Leskov. Sein Leben und sein Werk, Wiesbaden 1959; Gorelov A.A., O "vizantijskich" legendach Leskova, In: Russkaja literatura, Leningrad 1983, 1, S.  119-133; Gorelov, A.A., Patriotičeskaja legenda N.S.  Leskova. Poetika "preobrazovanij" i stilizacii v povesti "Zapečatlennyj angel", In:  Russkaja literatura, Leningrad 1986, 4, S. 153-165; G.I. Vzdornov, op. cit., S. 204 und Anm. 188.

   [12] Drei Ikonen im Rusischen Museum, die Leskovs stilistische Vorlieben kennzeichnen, stammen aus seiner Sammlung:  eine dem Palecher Ikonenmaler Chochlov zugeschriebene "Hochzeit zu Kana ", beschriftet als Sotvori Gospod pervoe čuda na brake, GRM DRč B-364, 40,3 x 34,2 x 2,4 cm. mit rückseitig flachen Eichen-Sponki auf Tafelebene (sogenannte "vstrečnye",  wie bei Prokopij Čirin); eine Boris und Gleb-Ikone, Palech, Inv. Nr. PM 6608, 31 x 25,5, früher im Besitz der Gesellschaft für Unterstützung der Maler (OPCh = Obščestvo pooščrenija chudožnikov) und als dritte die Königstür-Ikone von Nikita Račejskij. Freundliche Mitteilung von Tat'jana B. Vilinbachova, Russisches Museum, St. Petersburg . Ihr, Aleftina A. Mal'ceva und Nina M. Turcova sei an dieser Stelle für Anregungen, Hinweise, Fotos und die Gastfreundschaft im Dezember 1990 herzlich gedankt.

   [13] Er allein besaß 1.400 Ikonen.

   [14]  Über Leskovs Werke zur Ikonenmalerei siehe Nachtrag weiter unten.

   [15] Im unnachahmlichen Stil Leskovs: "Tak nam potrafit´ možet odin master Sevast'jan s ponizovja, no on strastnyj stranstvovatel': po vsej Rossii chodit, starovercam počinku rabotaet..." (Leskov, Zapečatlennyj angel, Moskva 1982, S. 85).

[16] „… der kunstfertige Ikonenmaler vom Unterlauf der Wolga Nikita Savvatiev“ („iskusnyj ikonopisec s povolžskogo ponizov’ja Nikita Savvatiev“), Leskov, op. cit, Bd. 10, S.

   [17] Siehe weiter unten im Text den Hinweis auf Moskau auf der Königstür-Ikone und Anm. 24.

   [18] Leskov, O chudožnom muže..., op. cit., S. 210.

   [19] Siehe G.I. Vzdornov, wie Anm. 10, S. 204 und Anm. 189: Leskov. N.S.: Sobr. sočinenija v 11 t., t.11, M. 1958, S. 351 (Brief an N.S. Šubinskij vom 3.10.1887).

   [20] Vzdornov 1986, wie Anm. 10, S. 204.

 

   [21] Leskov  berichtet einmal darüber, wie ein  umherfahrender Ikonenmaler aus Palech oder Mstera mit dem Messer die originale Malschicht einer Ikone freilegt. Vgl. Blagorazumnyj razbojnik, op. cit., S. 188.

   [22] Vgl. Gorelov, Patriotičeskaja legenda, op. cit., S.  159, Anm. 22; G. Vzdornov, op. cit., S. 32f., 44, 204, 282,  374.

   [23] N. Leskov, O russkoj ikonopisi, In: Russkj mir, Nr. 254,  26. September 1873; vgl. noch Leskov, Sobrannye sočinenija, 11 Bde., Moskau 1958, Bd. 10, S. 183.

   [24] N. Leskov, Blagorazumnyj razbojnik. (Ikonopisnaja fantazija). In: Chudožestvennyj žurnal 3 1883, S. 191-198. Nachdruck: N.S. Leskov, O literature..., op. cit., S. 187-196 (Über N. Račejskij in Anm. 1 (Leskov ), S. 194. Zur seltenen Ikonographie des "Guten Schächers", z. T. mit Hinweisen auf Leskov als Ikonenkenner vgl. die Ikone von Simon Ušakov mit Kreuz an der Nordtür der Kirche Savva Osvjaščennyj-Kirche, rückseitig signiert; Rovinskij, D.A.: Obozrenie ikonopisanija v Rossii do kon'ca XVII veka, M. 1903, S. 169; Pucko im Artikel von Gorelov; Tajstvennaja kaplja, Predanie o blagorazumnom razbojnike i otraženie ego v izobraženijach ikon Presvjatoj Bogorodicy celitel'nicy i Mlekopitatel'nicy, M. 1899 Tipogr. I. Efimova, 2. Aufl. 1903 (31 S. mit Abb.); D.A. Rovinskij, Obozrenie ikonopisanija v Rossii do kon’ca XVII veka, Moskau 1903, S. 169.; der Aufsatz von V. Pucko, zitiert bei Gorelov, op. cit. in Anm.  11 weiter oben.

   [25] O chudožnom muže, op. cit. in Anm. 9, S. 206.

   [26] Icone russe dal XV al XIX secolo, Palazzo Reale, 25 giugno-28 agosto 1988, Ausstellungskatalog, Milano 1988, Kat. Nr. 35, mit Farbabb. Diese Ikone wurde demnach 1909 vom Russischen Museum aus der Sammlung N.P. Kondakov erworben. Vormals im Besitz N.S. Leskovs. Es gibt aus diesem Umkreis andere thematisch ähnliche Ikonen, etwa solche, die ganze Ikonostasen darstellen: vgl. z.B. die Ikone im Katalog von Iljas Neufert, Herbstausstellung. Ikonen, München 1971, Nr. 110, Abb. Das Thema ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Vgl. V. Brjusova, Russkaja živopis’ 17 veka, Moskau 1984, Abb. 20.

   [27] Vgl. Milano-Katalog, zit. in Anm. 26.

   [28]Leskov, Zapečatlennyj angel, Moskva 1982, S. 85